Christine Brückner

Ihr Leben und Wirken

Die bekanntesten Werke

Brückners Ruhm gründete sich natürlich auf ihr Erstlingswerk “Ehe die Spuren verwehen”. Dieser Roman handelt von einem Sparkassendirektor, dessen geregeltes Leben ins Wanken kommt, als er mit seinem Auto eine junge Frau überfährt, die bei diesem Unfall zu Tode kommt. Trotzdem – oder vielleicht gerade, weil – es sich bald herausstellt, dass die Frau selbst schuld ist an ihrem Tod, beginnt der Mann damit, das Leben des Unfallopfers zu erforschen. Er begibt sich damit auf eine titelgebende Spurensuche in die Vergangenheit, die auch eine Suche nach ihm selbst wird. – Bereits in ihrem Erstlingswerk hat Christine Brückner einen glänzenden Schreibstil bewiesen und Tiefsinn, Naturverbundenheit und den Schuld-und-Sühne-Komplex in ein ergreifendes Werk gebannt, das bereits im Erscheinungsjahr 1954 eine Auflage von nicht weniger als 376 Tausend Exemplaren erlebte. “Ehe die Spuren verwehen” wurde in mehrere Sprachen übersetzt und auch verfilmt.

Der Erfolg dieses Romans gewährte Christine Brückner finanzielle Sicherheit und damit die Möglichkeit, sich ganz auf die Schriftstellerei zu konzentrieren. In den nächsten 30 Jahren erschienen nicht weniger als 16 weitere Romane und Erzählungen, die, oft mit viel Witz und immer mit profunder Menschenkenntnis geschrieben, das Thema “Frauen” zur Grundlage haben. Das erzählerische Werk thematisiert immer wieder die weibliche Selbstverwirklichung, Liebe und Anerkennung, aber auch die Leistungen der Frauen gerade in der schweren Nachkriegszeit.

Ein Frühling im Tessin - Der Roman erschien 1960


Der 1960 erschienene Roman “Ein Frühling im Tessin” erzählt in höchst amüsanter Weise von einem Scheidungsanwalt, der zusammen mit seiner Frau einige Tage im Tessin ausspannen will. Dass sowohl er als auch seine Frau noch einen jeweils anderen Partner dabei haben, macht die ganze Geschichte sehr amüsant und kurzweilig. Hier wie in anderen Werken Brückners flossen eigene Erfahrungen der Autorin aus ihrer Zeit im europäischen Ausland spürbar mit ein: durch ihre wechselnden Wohnsitze konnte Brückner stets aus erster Hand erzählen, was der Qualität der Werke natürlich sehr förderlich war.

1975 erfolgte die Erstausgabe von “Jauche und Levkojen”, die zusammen mit den beiden Folgebänden “Nirgendwo ist Poenichen” (1977) und “Die Quints” (1985) die berühmte Poenichen-Trilogie bildet. Die Trilogie erzählt im Stil des Bildungsromans die Geschichte der Enkelin eines Gutsbesitzers aus Hinterpommern. Ende des Ersten Weltkriegs geboren, muss Maximiliane Quindt sich nach einer Jugend in der Zeit der Weimarer Republik (näheres dazu kann man hier entnehmen)durch eine von Wirtschaftskrisen, Krieg und Vertreibung geprägte Welt schlagen, um sich dann im Wiederaufbau zu bewähren. Die gesamte Trilogie wurde verfilmt und zählt mit zu den populärsten Werken von Christine Brückner, weil sie die Erfahrungen vieler Leserinnen aufgreift, die sich in der Person der Maximiliane wiederfinden und gleichzeitig Trost und Aufmunterung erfahren. Die ausgefeilte Erzählweise der Trilogie orientiert sich so eng an Theodor Fontane, dass Brückner seither oft als “Fontanes Enkelin” bezeichnet wurde.

1983 erschien “Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen”, ein Theaterstück, welches bekannte Frauen der Kulturgeschichte zu Wort kommen lässt. Den Frauengestalten der griechischen Mythologie über Christiane Vulpius und Effi Briest bis hin zu Gudrun Ensslin legt Brückner Monologe in den Mund, die teils tiefschürfend, teils humoristisch, auf jeden Fall immer brillant formuliert, über ihre Gefühle, ihre Ängste und ihre Träume sprechen und so ein besonders abwechslungsreiches und interessantes Stück “Frauenliteratur” im besten Sinne des Wortes ergeben.

Als Kinderbuchautorin war Brückner ebenfalls sehr erfolgreich, was besonders ihre Momoko-Bilderbücher bewiesen, die sie zusammen mit ihrer japanischen Kollegin Chihiro Iwasaki herausgab.

Einige der Werke Christine Brückners, besonders die Poenichen-Trilogie, erzielten riesige Auflagen, und nicht selten sind ihre Werke deshalb abwertend als “Unterhaltungsliteratur” bezeichnet worden. Dabei wurde jedoch übersehen, dass Brückner sich stets einem durch ihr protestantisch-ländliches Elternhaus geprägten moralischen Wertesystem verbunden fühlte. Sie selbst sah sich als “Analytikerin der heutigen Frau” und behandelte Frauenthemen wie Liebe, die Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung in nicht selten schwerer Zeit, ohne dabei je ins Kitschige abzugleiten. Die Gesamtauflage der Werke von Christine Brückner geht in die Millionen.